Von Google, das eigentlich helfen will

E-Mail 20. Aug. 2010

Ich hatte schonmal einen Artikel zu Google geschrieben, damals auch das Thema Street View angeschnitten, aber zur aktuellen Lage und was Google dabei vor hat, will ich doch nochmal das Ganze aufgreifen.

Viele beschweren sich darüber, dass Google ihnen ihre Privatsphäre stiehlt. Doch dabei sollten sie sich erstmal überlegen, was sie so alles ins Internet stellen, aber das ist eine andere Baustelle. In den USA ist Street View schon aktiv und befreut viele User. So muss ich aus Deutschland z.B. keinen Flug buchen, mir ein teures Hotel suchen um dann durch die überfüllte Großstadt zu gehen. Klar. Der reale Rundgang ist um einiges besser als der virtuelle. Man kann sich alles real anschauen und wahrscheinlich sieht es jetzt auch schon wieder anders aus, als damals, als die Aufnahme gemacht wurde. Aber für die, die wenig Zeit und/oder wenig Geld haben für so eine Reise, die können sich mal kurz nach Paris teleportieren und einen Rundgang um den Eifelturm machen. Einfacher geht es doch gar nicht!

Und jetzt zu uns Deutschen. Auf Twitter wird die Angst um das Projekt schon mit #germanangst betitelt. Also entweder haben die Deutschen mehr zu verbergen als die Amerikaner oder sie sind zu pessimistisch dem ganzen gegenüber.

In Deutschland gilt die Panoramafreiheit und jeder darf von jedem Gebäude Bilder machen. Sofern er keine technischen Hilfsmittel benutzt. D.h. der Fotograph (natürlich auch die Fotographin) muss von ihrem eigenen Platz aus Bilder machen. Dabei darf sie z.B. nicht auf einen Baum klettern, eine Leiter besteigen oder in ein Gebäude gehen und ein höheres Stockwerk betreten um das andere Gebäude abzulichten. Das einzigste, wo der/die FotographIn darauf achten muss, ist nur eine Person auf einem Bild zu sehen, muss er/sie beim Veröffentlichen des Bildes die Genehmigung der abgelichteten Person einholen. Bei Gruppen, öffentlichen Veranstaltungen oder befindet sich die Person zufällig beim Betätigen des Auslösers im Blickfeld eines Gebäudes, greift der Schutz am eigenen Bild nicht.

Ein weiterer Punkt, der ansich zwar verständlich gegen Street View klingt, aber leider immer wieder falsch aufgenommen und weiter gegeben wird: Google sammelte beim Fotographieren Daten von OFFENEN WLANs. D.h. wer einen WLAN-Router zu Hause besitzt und nichtmal eine WEP-Verschlüsselung angeschalten hat, bei dem scannte Google beim vorbeifahren für den Bruchteil einer Sekunde Daten des Netzwerkverkehrs mit (jetzt aber auch nicht mehr). Dabei kann es leider auch zum Mitlesen von E-Mails kommen. Jetzt muss man aber zwei Mal über die Sache nachdenken und kommt dabei wieder auf das Urteil des Bundesgerichtshofes zurück. Dabei heißt es, dass, wenn eine Schandtat über ein unverschlüsseltes WLAN begangen wird, der Betreiber des WLANs kein Schadensersatz erhält, weil er beweisen muss, dass er es nicht war, sondern darf gleich mal 100 Euro Strafe zahlen, da er ein offenes WLAN betreibt. An Googles Stelle würde ich dem BGH alle offenen WLANs auf einer Liste zuschicken, mit den GEO-Daten um die Anwender anzuzeigen. Es meckern nämlich genau immer die, die keine Ahnung von Technik haben und deshalb auch noch ein offenes WLAN betreiben. Wobei aber die neuen Router schon von Haus aus eine Verschlüsselung aktiviert haben.

Jens Best startet eine Initiative gegen die Gegner von Street View. Sein Ziel ist es, durch alle Städte (vorerst sind es eh nur 20 in Deutschland) zu ziehen und alle Häuser, die in Street View verpixelt dargestellt werden, erneut mit den GEO-Daten zu fotographieren und diese dann bei Google Maps zu verlinken. Ich bin mal gespannt was dabei raus kommt und wie viele Klagen er bekommt. Theoretisch dürfte ihm eigentlich nichts passieren, aber wir wissen ja, wie das mit der Rechtssprechung ist. Dann kommt wieder jemand, der irgendwo einen klitze kleinen Fehler in der Bearbeitung von Jens Best findet und schwubb di wubb ist das ganze Projekt gekippt. Er fotographiert mit seiner eigenen Kamera von der Straße aus. Nicht mal in 2,90 Meter Höhe wie die Fotowägen von Google und stellt die Bilder als Privatmann ins Netz. Was kann da noch schief gehen? Wir werden es (hoffentlich nicht) sehen.

Ich würde mich freuen, wenn Street View nach Deutschland kommt und jeder, der das nicht will, soll halt sein Haus verpixeln lassen. Tun kann er das natürlich online oder per Post. Aber irgendwie erinnert mich das Verpixeln an das Stop-Schild

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