Hat das Internet unser Leben verändert?

Man möge nur durch die Straßen laufen, lauter (noch) Kinder mit ihren Handys in der Hand. Das Argument, dass sie für ihre Eltern doch immer erreichbar sein wollen ist längst nicht mehr korrekt, sie wollen viel lieber für ihre Freunde rund um die Uhr verfügbar sein. Sei es in der Schule, bei den Hausaufgaben, draußen mit anderen Freunden unterwegs oder auch Nachts!

Heutzutage können die Handys auch noch viel mehr als vor ein paar Jahren. Holt man sich nun ein Handy bist du auch schon gleich mit dem Internet verbunden. T-Mobile z.B. hat das erkannt und bietet eine extra Flatrate für seine Kunden an um auf die Portale der VZ-Netzwerken (fast) kostenlos, dafür rund um die Uhr, zugreifen zu können.

Die „Digital Natives“, wie es nun im Fachjargon heißt, also, Jugendliche und Heranwachsende, die schon von Kindes an mit dem Internet und den dafür vorgesehenen Medien in Berührung stehen, kennen keinen anderen Umgang mehr. Man will/soll/muss immer für die anderen Freunde zur Verfügung stehen, wäre ja blöd, wenn man etwas wichtiges verpasst und erst Stunden später davon Wind bekommt. „Up-to-Date“ ist das, was vorausgesetzt wird.

Wie schon im Beitrag „Das Facebook-Ich“ (auf www.neon.de) geschrieben steht, verhalten sich die Jugendlichen dadurch auch ganz anders. Der einst schüchterne Stubenhocker wird zum Draufgänger; jeder schreibt nur das, wofür er auch von den anderen respektiert und akzeptiert wird. Die Mutproben, wie sie früher öfters durchgeführt wurden, um in eine Clique zu passen, gibt es in diesem Sinne nicht mehr. Es werden die Statusmeldungen und die eingetretenen Gruppen angeschaut und danach beurteilt ob diese Person dazu passt oder nicht.

Auch nicht selten sind Chat-Gespräche. Hier kann die Person hinter dem Monitor sich ausgeben, als welche sie sein will. In erster Linie juckt es keinen anderen Chat Teilnehmer ob die Person auch so ist, es reicht, wenn sie im Gespräch lustig und charmant rüber kommt.

3sat neues hat in einer Spezialsendung über die Digital Natives mehrere Jugendliche interviewt. Ich finde es erstaunlich, noch nicht einmal ganz daheim, schon wird der Rechner gestartet um die lange Ladezeit zu überbrücken um dann auch gleich ins Geschehen eintauchen zu können. Ein anderer meint, früher hat man sich halt mal so getroffen, heute wird alles online publiziert und jeder der Lust und Laune hat wird dabei sein.

Jetzt noch mal zurück in die Vergangenheit, hat es damals nicht auch immer geklappt mit dem sich verabreden, wann und wo man hin geht? Damals war man zwar nicht so spontan wie es heute möglich ist, aber war einer dann halt mal nicht dabei, dann war das auch kein Problem. Heutzutage kann man sich dann bei Facebook anhören, „wo warst du denn gestern Nacht, hat echt voll Spaß gemacht, haben die und die getroffen, hast echt gefehlt!“.

Aber nicht durch Communitys ist es anders/einfacher geworden, auch z.B. das iPhone, mit seinen unzähligen (sinnvoll oder nicht) Apps bietet eine große Anzahl an Anwendungen an um einem das Leben leichter gestalten zu lassen. Von einem Einkaufszettel, der durch einscannen des Strichcodes generiert werden kann, bis hin zu Programmen, die dir das nächste Lokal, mit Bewertungen, anzeigen lassen, gibt es tausende solcher Apps. Sei es auch nur um mal kurz in den unterschiedlichen Communitys vorbei zu schauen oder sich per ICQ zu unterhalten. Das Internet ist voll von solchen Tools, kostenlos oder kostenpflichtig.

Auf meinem iPhone habe ich auch die diversesten Apps installiert, aber im Vergleich zu anderen Usern könnte man meinen, ich habe das Handy erst seit ein paar Tagen, da sind ja gar nicht so viele Programme installiert! Aber brauch ein Mensch auch so viele? Wenn ich einkaufen gehe, dann schreib ich mir von Hand einen Zettel, die Tastatur ist zwar leicht zu benutzen, aber mit der Hand am Arm ist man doch schneller. Persönlich komm ich mir dann auch irgendwie peinlich vor, mit einer elektronischen Einkaufsliste durch den Laden zu gehen, Strichcodes zu scannen, ob das auch das richtige Produkt ist oder doch das daneben. Ebenso das Handy oder den Computer als eBook-Reader zu verwenden. Ich finde es immer noch angenehmer, auch für die Augen, ein richtiges Buch in die Hand zu nehmen und darin zu lesen.
OK, ein Leben ohne die ganzen Möglichkeiten wäre jetzt für mich nicht mehr so leicht vorstellbar, ich bin ja selbst damit aufgewachsen und gehöre zu den Digital Natives, machbar wäre es sicherlich. Die Nachrichten bekommt man entweder in der Tageszeitung oder im Fernsehen. E-Mails kann man auch ausdrucken und per Post schicken und telefonieren, dazu ist doch immer noch das gute alte Telefon zuständig!

Ich bin mal gespannt, was uns in den nächsten Jahren noch so alles erwarten wird. Brauchen wir dann noch einen Computer oder können wir das alles schon mit unserem Handy lösen? Müssen wir uns dann noch Fahrkarten kaufen oder können wir auch das bequem mit dem Handy kaufen? Wie identifizieren wir uns, ist im Handy dann ein RFID-Chip eingebaut, der alles über uns weiß? Müssen wir noch zum Arzt gehen oder sieht er an Hand unserer Gesundheitsakte im Internet, was auf uns zukommt?

Fragen über Fragen, bei den meisten hofft man, dass sie nie geklärt werden.

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